Muss nach dem Wirecard Debakel die Anlage in Aktien überdacht werden?

Zusammenfassung

Ereignisse wie das Debakel um die Wirecard Aktie kommen an den Finanzmärkten immer wieder vor. Wie sich Anleger davor schützen können.

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Beitrag

In nur wenigen Tagen hat eines der 30 größten deutschen Unternehmen aufgrund von Betrugsverdacht über 90% seines Börsenkurses eingebüßt. Heute am 25. Juni 2020 wurde wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt. Da stellt sich einigen Anlegern schon die Frage, ob Aktien nicht einfach doch nur „Teufelszeug“ sind und als Geldanlage nur für Glücksritter und Hasardeure geeignet sind.


Die klare Antwort auf die Frage lautet: NEIN!


Warum NEIN?


Was wir hier gerade in dramatischer Weise live verfolgen können, ist lehrbuchartig!

Es muss grundsätzlich zwischen unsystematischen Risiken und systematischen Risiken unterschieden werden.


Das unsystematische Risiko besteht bei einzelnen Aktien und kann auf unterschiedliche Weise in Erscheinung treten:


Beispiele: Schlüsselpersonen-Risiko, Betrugs-Risiko, Branchen-Risiko…


Bewahrheitet sich ein unsystematisches Risiko, wie im Fall Wirecard (vermutlich) ein Betrug, oder bei Lufthansa aktuell das Branchenrisiko (eine gesamte Branche ist betroffen), droht die Insolvenz des Unternehmens und der Totalverlust für den Aktionär. Solche Risiken sind nicht abschätzbar und wenn sie erkannt werden, ist es meist schon zu spät. Die Anleger verlieren ihr Geld. Für das Eingehen von unsystematischen Risiken gibt es keine Risikoprämie! Es macht also für einen strategischen Anleger keinen Sinn, unsystematisches Risiko einzugehen. (also eine einzelne Aktie zu kaufen)


Dass das unsystematische Risiko nicht kalkulierbar ist, zeigt sich an den Kursprognosen verschiedener Großbanken (sogenannte „Profis“) der letzten Wochen:

Berenberg Bank, Kursziel vom 27. März 2020: EUR 185
Kepler Cheuvreux, Kursziel vom 02. April 2020: EUR 200
Warburg Research, Kursziel vom 29. April 2020: EUR 230
Baader Bank, Kursziel vom 26. Mail 2020: EUR 240
Hauck & Aufhäuser, Kursziel vom 23. April 2020: EUR 270
(Quelle: The Pioneer und onvista)
Kurs aktuell (25.06.2020) EUR 003,533

Diese Kursziele wurden ausgegeben, obwohl die Financial Times bereits im Januar 2019 vor evtl. gefälschten Verträgen bei Wirecard gewarnt hatte und obwohl Wirecard bereits mehrfach die Veröffentlichung der Bilanzen verschoben hat. Man konnte bereits erahnen, dass hier irgendetwas faul sein könnte.


Unsystematische Risiken haben in der Vergangenheit bereits sehr große Unternehmen (ENRON) vom Kurszettel entfernt und werden das auch in Zukunft immer wieder tun. Die Finanzindustrie verschweigt dem Anleger diese Zusammenhänge und macht ihm Glauben, dass mit ausreichender Analysekompetenz tolle Renditen weit oberhalb der „langweiligen“ Marktrendite zu verdienen sind.

Das Schöne am unsystematischen Risiko ist aber, dass es eliminiert werden kann. Durch die Anlage in sehr viele verschiedene Aktien (z.B. über Fonds) wird dieses Risiko quasi wegdiversifiziert. Was übrig bleibt, ist das systematische Risiko.


Als systematisches Risiko wird das allgemeine Marktrisiko bezeichnet. Also das Risiko, dass der gesamte weltweite Aktienmarkt schwankt. Dieses Risiko ist für langfristige Anleger gut kalkulierbar. Betrachtet man die Wertentwicklung der letzten ca. 100 Jahre, ist ab einem Anlagehorizont von ca. 10 Jahren ein Verlust sehr unwahrscheinlich. Langfristig können Anleger bei einer Anlage in weltweit gestreute Aktien mit einer durchschnittlichen Rendite von ca. 8-9% (vor Steuern und Kosten) kalkulieren. Ein Totalverlust ist aufgrund der breiten Streuung in viele verschiedene weltweit verteilte Aktien de facto ausgeschlossen. Kurzfristig ist der weltweite Aktienmarkt aber starken Schwankungen ausgesetzt. Die Differenz der Aktienrendite zur Rendite risikoarmer, festverzinslicher Anlagen wird als Risikoprämie für das Eingehen des systematischen Risikos bezeichnet.

Einfach ausgedrückt: Es macht Sinn, das systematische Risiko einzugehen (also breit im Markt investiert zu sein), da es im Gegensatz zum unsystematischen Risiko mit einer Prämie belohnt wird.


Fazit:
Die Insolvenz eines großen Unternehmens aufgrund eines unvorhersehbaren Ereignisses ist nichts Neues und wird immer wieder vorkommen. Für den aufgeklärten Investor ist dies aber ohne jede Bedeutung. Er streut breit, nimmt das Risiko kurzfristiger Marktschwankungen in Kauf und freut sich über langfristige attraktive Renditen.
Mein Mitgefühl gilt den vielen ehrlichen Beschäftigten von Wirecard, die gerade ihre Jobs verlieren!

Anmerkung:
Die Ausführungen sollen lediglich informativ sein und stellen keine Anlageberatung oder die Empfehlung von Anlageprodukten dar!
Sollten Sie eine Beratung wünschen oder Fragen haben, kontaktieren Sie mich gerne:
m.marquardt@marquardt-kollegen.com
08024/9016-212
www.marquardt-kollegen.com

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